Grundrisse richtig lesen

Grundrisse richtig lesen

(© Andreas Aigner, 28.04.2018)

Hausplanung - © Chlorophylle - Fotolia.com

Wer sich auf Reisen oder in unbekannten Gegenden auskennen möchte, der braucht eine geeignete Landkarte. Wer einen guten Überblick über eine Immobilie haben möchte, der benötigt einen aussagekräftigen Grundriss. Aber die besten Landkarten oder Grundrisse bringen nichts, wenn man diese nicht genau lesen kann. In diesem Beitrag erhalten Sie einige Tipps und Anregungen, damit Sie aus den Grundrissen mehr für sich herausholen können.

Vorteile und Nachteile

Zuerst eine Gegenüberstellung der Vorteile und Nachteile, damit Sie einen Überblick erhalten, was Grundrisse leisten können und wo Schwierigkeiten auftreten können:

Vorteile von Grundrissen

  • Sie sehen die Raumverteilung auf einen Blick
  • Sie verfügen über die genauen Maße der Immobilie, um z.B. die Einrichtung planen zu können
  • Sie können aus den angegebenen Himmelsrichtungen die Lichtverhältnisse ableiten
  • Sie können die Größe und Zweckmäßigkeit der einzelnen Räume ablesen
  • Sie erkennen, ob Fenster, Türen und Heizkörper sinnvoll angeordnet sind

Nachteile von Grundrissen

  • Der dreidimensionale Raum ist auf eine zweidimensionale Zeichnung reduziert
  • Sie benötigen räumliches Vorstellungsvermögen, um den Maßstab richtig deuten zu können. Ein Maßstab von 1 zu 100 bedeutet, dass ein Zentimeter im Grundriss einem Meter in der Immobilie entspricht. Wenn Sie zwei Grundrisse mit unterschiedlichen Maßstäben vergleichen, erscheint ein gleichgroßer Raum im Grundriss mit dem kleineren Maßstab kleiner. Ist eigentlich logisch, aber bei Prospekten unterschiedlicher Immobilienanbieter lässt sich das Auge / Unterbewusstsein leicht täuschen.
  • Je detaillierter, desto unübersichtlicher für den Laien

Grundriss – Ein guter Helfer zum Einrichten

Familie vor dem Grundriss - ©goodluz - stock.adobe.com

Mit dem Grundriss wird ein Raum oder ein Gebäude zeichnerisch dargestellt. Wichtig dabei ist die genaue Bemaßung, denn damit können Sie Ihre Inneneinrichtung sehr gut planen. So können Sie vorab erkennen, ob Ihre alten Möbel in die neue Wohnung passen. Oder wenn Sie sich neu einrichten wollen, sehen Sie auf einen Blick, ob das ausgesuchte Bett und der neue Schlafzimmerschrank in das Zimmer passen. Im Wohnzimmer können Sie genau sehen, wo Sie Ihre Couchgarnitur am besten aufstellen und wo Sie den Fernseher blendungsfrei platzieren. Auch das Kinderzimmer und die Küche können Sie anhand des Grundrisses vorab bestens planen und einrichten.

Am Grundriss erkennen Sie, ob die Türen in die richtige Richtung öffnen. Nicht, dass Sie die Tür in den Rücken geknallt bekommen, wenn Sie in der Küche das Essen zubereiten. Bei der Einrichtung der Wohnung ist auch sehr wichtig, wo sich die Fenster und Heizkörper befinden, damit Sie diese bei der Planung berücksichtigen können, wie sie Ihre Möbel platzieren.

Wo ist Norden und Süden?

Nordpfeil - © Andreas Aigner

Die Himmelsrichtungen im Grundriss können Sie anhand des Nordpfeils ablesen. Wenn die Immobilie gut geplant ist, befinden sich die Räume auf der Nordseite, die kühler sein können oder weniger Licht bedürfen (z.B. Schlafzimmer, Flur, Abstellraum). Im Gegensatz dazu sind Wohnzimmer, Esszimmer oder die Kinderzimmer nach Süden ausgerichtet, damit diese mehr Wärme und Licht erhalten. Auf diese Weise erhalten Sie ein behagliches Wohnklima zum Wohlfühlen. Dies ist auch die Seite, an der die Zimmerpflanzen am besten gedeihen.

Balkon, Loggia oder Terrasse sollten ebenfalls auf der Südseite liegen, um dort mehr Sonne abzubekommen. Für Frühaufsteher empfiehlt sich die Südostseite, damit Sie Ihr Frühstück an schönen warmen Tagen dort einnehmen können. Sind Sie eher Abendmensch, dann sollten Sie darauf achten, dass Wohnzimmer und Balkon auf der Südwestseite liegen. So können Sie die Abendstunden mit mehr Licht und Wärme genießen.

Fenster und Türen

Fenster und Türen sind mit ihren Maßen angegeben, also Breite mal Höhe. Die Türen sollte eine Mindestbreite von 80 cm haben, damit Sie Ihre Möbel ohne größere Probleme in die Wohnung bringen können. Die Eingangstür sollte aber mindestens 100 cm breit sein, so können Sie nicht nur die Möbel einfacher reinbringen, auch Ihre täglichen Einkäufe sind so bequemer handhabbar. Die Öffnungsrichtung der Türen sind als gebogener Pfeil im Grundriss abgebildet. So erkennen Sie, in welche Richtung sich die Tür öffnen lässt und ob sie von links oder rechts aufgeht. Diese Angaben sollten Sie bei der Möblierung beachten, damit Sie sich nicht Ihre täglichen Wege verstellen. Wenn Sie beispielsweise Ihre Einkäufe in der Speisekammer einräumen, dann sollten Sie darauf achten, dass Sie das Türblatt nicht zwischen Regal / Schrank haben. Sonst müssen Sie Ihre Einkäufe Tag für Tag um die Türe herumtragen, anstatt diese sofort verstauen zu können.

Grundriss mit Moeblierung - © am2vector - Fotolia.com

Fenster sind im Grundriss mit ihren Rohbaumaßen eingezeichnet. Also nicht mit der Glasfläche, sondern mit der Größe der Öffnung in der Wand. Je nach Landesbauordnung müssen Aufenthaltsräume mindestens 1/8 (z.B. Bayern gem. Art. 45 II BayBO) oder 1/10 der Netto-Grundfläche des Raums an Fenstern haben.

Fenster, die sich nicht öffnen lassen, sind im Plan mit „fix“ gekennzeichnet. Bodentiefe Fenster sind als solche extra gekennzeichnet.

Auf der Nordseite des Gebäudes, wo es in unseren Breiten am kühlsten ist und wenig Licht einfällt, sind geringere Fensterflächen sinnvoll. Dies reduziert Wärmeverluste und führt zu einer besseren Energieeinsparung. Auf der sonnigen Südseite dagegen können größere Glasflächen für viel Licht und Wärme sorgen. Allerdings sollten dort für den Sommer flexible Außen-Beschattungsmöglichkeiten eingeplant werden, damit es in diesen Räumen warm und nicht heiß wird.

Treppen

Treppe im Atrium - ©storm - stock.adobe.com

Bei Treppen werden neben der räumlichen Lage auch die Anzahl der Steigungen und deren Maße angegeben. Ist im Grundriss neben der Treppe zum Beispiel „9 Stg. 18/27“ vermerkt, dann verfügt die Treppe über 9 Steigungen mit je einer Höhe von 18 Zentimetern und einen Auftritt von 27 Zentimetern. So erkennen Sie, ob Sie die Treppe bequem benutzen können und wie viele Stufen und welche Maße sie hat. Eine Standardtreppe ist 90 Zentimeter breit, aber bequemer ist ein Meter und breiter. Denken Sie daran, dass ab und zu Möbel im Treppenhaus zu transportieren sind. Je breiter, desto einfacher für Sie. Je älter Sie werden, desto mehr schätzen Sie leicht zu steigende Treppen, also sollten Sie die Höhe zwischen den Steigungen nicht zu groß werden lassen. Offene Treppen können Sie leicht und angenehm pflegen. Der Vorteil bei geschlossenen Treppen liegt unter anderem darin, dass keine Gegenstände wie Legosteine oder andere Kleinteile vom Obergeschoss bis in den Keller fallen können. Eng gewendelte Treppen sind platzsparend, aber die Unfallgefahr für Kleinkinder ist größer und im Alter stellen Sie wahre Barrieren dar.

Diese wichtigen Punkte können Sie vor einer Besichtigung mittels des Grundrisses klären

Grundriss 3D - ©MaxAlex - stock.adobe.com

  • Ist die Anzahl der Zimmer ausreichend für Ihre Wohnsituation? Können Sie notfalls die Zimmer durch Einbauten oder Zwischenwände teilen, damit es passt?
  • Sind die Zimmer nach den Himmelsrichtungen passend angeordnet? Passt der Lichteinfall? Liegen die kühleren Zimmer in Richtung Norden? Sind die Aufenthaltsräume und Balkon / Terrasse eher nach Süden ausgerichtet?
  • Falls es mehrere Etagen gibt, sind die Räume sinnvoll angeordnet? Sind kurze Wege im Alltag möglich?
  • Sind die Wandflächen ausreichend groß für Ihre Möbel? Öffnen die Türen in die richtige Richtung oder stoßen sie an Möbel an?
  • Ist die Küche genügend groß? Passt ein Essplatz hinein? Ist ein Abzug bzw. Fenster zum Lüften vorhanden?
  • Entsprechen die Nutzräume Ihren Vorstellungen? Passt die Größe und Beleuchtung? Sind Bad und WC für Sie sinnvoll angeordnet? Ist Platz für Waschmaschine, Trockner oder einen Wickeltisch?
  • Sind Räume fensterlos? Wenn ja, wie ist die Belüftung bzw. Beleuchtung?
  • Verfügt die Immobilie über genügend Abstellfläche? Ist diese gut erreichbar?

 

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